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Zirkularität bei IT Hardware


Laptoptastaturmit Pflanze
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Als Think Tank für nachhaltige Lösungen mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft im Bildungswesen und Innovationsbereich, ist es Thinkubator wichtig, zirkuläre Interessen nicht nur nach außen zu bringen, sondern auch intern zu verwirklichen. Im Zuge eines FFG Projektes hat sich Thinkubator damit befasst, zirkuläre Alternativen für Laptop, Handy und Co zu finden, um nachhaltige Entscheidungen für den internen Gebrauch an Hardware zu treffen und somit aktiv linearen Produktions- und Verbrauchsmodellen entgegenzuwirken. 


Ein zirkuläres Geschäftsmodell beruht unter anderem auf der Vermeidung von Abfällen inklusive Elektroschrott, der Maximierung des Materialeinsatzes über mehrere Produktlebenszyklen hinweg und der Verlängerung der Nutzung von Materialien in jedem Zyklus. Diese Grundlagen können auch in ‘R’s übersetzt werden, welche über das Ausmaß an Zirkularität eines Produktes aussagen. 


Value Hill
Abb. 1: 10R-Framework - nach dem Value Hill Framework Konzept der Circle Economy Foundation (1), designed by Thinkubator.


Thinkubator hat über diverse Hardware Anbieter recherchiert und die folgenden als nachhaltig identifiziert: Green IT Onlineshop, Shiftphones, Fairphone, Framework, Grover und Refurbed. In Folge wurden sie spezifisch auf ihre Zirkularität basierend auf den ‘10 R’s’ evaluiert und in einer Checkliste zusammengefasst.


Tabelle
Abb. 2: Zirkularität Checkliste der ausgewählten Hardware Anbieter. 

Wie zu erkennen ist, bieten alle genannten Anbieter Hardware Alternativen an, die auf Zirkularität basieren und diverse ‘R’s’ abdecken. Jedoch unterscheiden sie sich in ihrem zirkulären Ausmaß. Während der Green IT Onlineshop, Grover und Refurbed benutzte Geräte aufarbeiten - refurbish - und weiterverkaufen/vermieten, wodurch diese weitere Lebenszyklen erhalten und somit im Kreislauf bleiben, beruhen die Geschäftsmodelle von Shiftphones, Fairphone und Framework schon auf einem nachhaltigen Umdenken - rethink - in der Produktionsphase der Geräte.  Diese Anbieter verwenden “zirkuläres Design” als Strategie und entwerfen ihre Produkte so, dass Abfall und Umweltverschmutzung vermieden und die verwendeten Materialien im Gebrauch gehalten werden. Somit produzieren sie auf eine Weise, die sicherstellt, dass einzelne Bestandteile der Produkte nicht verklebt, sondern so montiert werden, dass Reparaturen sorglos durchgeführt werden können. Diese Produktionsart geht somit mit der im Prozess stehenden EU-Richtlinie über das Recht auf Reparatur (“Right to Repair”) einher, welche die Reparatur von Waren und dadurch die Kreislaufwirtschaft fördern soll. Außerdem haben Shiftphones und Fairphone eigene Recyclingsysteme entwickelt, die die Wiederverwertung der Einzelteile und eine korrekte Entsorgung versichern und diese Anforderung somit von Konsument:innen entnehmen. Auch Framework legt Wert darauf, bei der Herstellung Materialien zu nutzen, die am Ende ihrer Lebenszeit recycelt werden können. Diese drei Anbieter verfolgen somit ein möglichst vollständiges, zirkuläres Geschäftsmodell, was Kund:innen ermöglicht, ihren CO2-Fußabdruck, im Vergleich zu einem Kauf von herkömmlichen, Anbietern, die auf linearen Produktions- und Verbrauchs-Modellen basieren, zu reduzieren.


Für Thinkubator als gemeinnützigen Verein steht zusätzlich zu zirkulären Bedürfnissen eine kosteneffiziente Green IT im Interesse. Deshalb wurde des Weiteren eine Preis-Leistungs-Analyse der diversen Angebote durchgeführt. Es hat sich herausgestellt, dass die Smartphones und Kopfhörer von Shiftphones preislich vergleichbar mit den Referenzprodukten anderer Anbieter sind, sodass ein zukünftiger Wechsel dieser Hardware bei Bedarf durchaus empfehlenswert ist. Alle weiteren relevanten Geräte (Laptops, PCs, Monitore, Tablets, Tastaturen, Mäuse und Kabel/Adapter) können preiswert bei Green IT Onlineshop, Grover oder Refurbed besorgt werden. Fairphone und Framework würden als Anbieter für Hardware Alternativen für Thinkubator eher nachrangig behandelt werden. Dies liegt einerseits an den verhältnismäßig höheren Preisen ihrer Geräte und den durchschnittlich weiteren Lieferwegen nach Österreich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die zwei Unternehmen, die sich vielseitig der Zirkularität widmen, für andere Organisationen nicht in Frage kommen, daher sollten sie trotzdem von Kund:innen in Erwägung gezogen werden. 


Das 10R-Framework dient dazu, Produkte auf ihr Ausmaß an Zirkularität zu evaluieren und sollte von Unternehmen, wie auch Einzelpersonen genutzt werden, um nachhaltige Entscheidungen, unter anderem bezüglich IT Hardware, zu treffen. Dabei sollte besonders auf die verschiedenen Ebenen der Zirkularität geachtet werden, wobei vor allem ein Umdenken in der Design- und Produktionsphase essentiell ist, um sicherzugehen, dass die verwendeten Materialien im Kreislauf gehalten werden können und somit zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem beitragen.  Denn laut einem Bericht des Europäischen Rechnungshofes werden 80% der Umweltauswirkungen eines Produktes durch dessen Design bestimmt (2). 


Geschrieben von Lotte Lehtovuori


Dieses Projekt wurde durch die FFG im Rahmen der Programmschiene Öko Scheck 2023 gefördert.


  1. Circle Economy - Master Circular Business with the Value Hill - https://www.circle-economy.com/news/master-circular-business-with-the-value-hill 

  2. European Court of Auditors - Special Report 17/2023 - Circular economy Slow transition by member states despite EU action - https://www.eca.europa.eu/ECAPublications/SR-2023-17/SR-2023-17_EN.pdf

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