Reparatur als Treiber der Kreislaufwirtschaft
- 12. Feb.
- 7 Min. Lesezeit
- was Verbraucher:innen wichtig ist

Warum Reparatur so ein wichtiger Hebel der Kreislaufwirtschaft ist
Eine nachhaltige Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft basiert auf den folgenden Grundprinzipien: Abfälle vermeiden, die Nutzungsintensität von Ressourcen und Produkten maximieren und die Materialnutzung über mehrere Produktlebenszyklen hinweg zu verlängern. Um das zu erreichen, wurden die 9-R Strategien entwickelt, mit denen entlang unterschiedlicher Kaskadierungen die Langlebigkeit von Produkten erhöht und der Ressourcenverbrauch verlangsamt werden kann (Kirchherr et al., 2017).

In diesem Blogbeitrag wollen wir die darin enthaltene Strategie Reparatur genauer unter die Lupe nehmen und beleuchten, warum diese so ein bedeutender Treiber für eine effiziente Ressourcennutzung ist.
Im Sinne der Kreislaufwirtschaft ermöglicht uns die Reparatur von technischen Gegenständen die Nutzungsdauer von Rohstoffen zu verlängern, indem man sie in bestehenden Produkten so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf hält. Durch die Reparatur und Wartung von Produkten oder deren Einzelteilen kann sowohl Nutzen als auch Funktion ohne zusätzliche Rohstoffentnahme weiterhin erhalten bleiben. Wichtig ist auch zu betonen, dass die grundlegenden Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reparatur bereits in deren Design- und Herstellungsphase gelegt werden. Einem Bericht der EU zufolge werden demnach rund 80 % der Umweltauswirkungen eines Produktes durch die Beschaffenheiten im Design festgelegt (Europäisches Parlament, 2023). Somit ist es essentiell, bereits hier ein nachhaltiges Umdenken zu fördern und zirkuläres Produktdesign zu etablieren, welches Reparaturen ermöglicht. Das verhindert schließlich, dass technische Produkte, die wertvolle Ressourcen enthalten, im Müll landen, anstatt in Verwendung zu bleiben. Ein Hebel hierfür ist zum Beispiel, einzelne Bestandteile der Produkte nicht zu verkleben, sondern so zu montieren, dass Reparaturen sorglos durchgeführt werden können (Ellen MacArthur Foundation, 2024).
Da auch die Europäische Union Reparatur als einen wichtigen Treiber für die Kreislaufwirtschaft identifiziert hat, wurden in den vergangenen Jahren zunehmend Gesetzesvorschläge diesbezüglich entwickelt. So setzte man mit der sogenannten „Right to Repair“ Richtlinie einen wichtigen Schritt. Die neue EU-Regel zielt darauf ab, die Reparatur von Produkten unkomplizierter und wesentlich kosteneffizienter für Konsument:innen zu gestalten. Demzufolge werden Produzent:innen in die Pflicht genommen, fair bepreiste, schnelle Reparaturlösungen zur Verfügung zu stellen. Reparieren soll sich schließlich lohnen und Verbraucher:innen sollen zum Reparieren statt Ersetzen ermutigt werden. Auch auf österreichischer Ebene wird mit der „Geräte-Retter-Prämie“ daran gearbeitet, die Attraktivität von Reparaturen zu erhöhen, indem Service-, Wartungs- und Reparaturleistungen von elektrischen und elektronischen Geräten für Privathaushalte gefördert werden. Diese Maßnahme soll nicht nur einen positiven Beitrag zur Schonung von Rohstoff- und Energieressourcen liefern, sondern auch die Massen an Elektroschrott reduzieren.
All das sind wichtige Voraussetzungen, um Reparaturen zu ermöglichen und zu fördern – jetzt stellt sich jedoch die Frage, zu welchem Maß Reparaturservices bei den Verbraucher:innen tatsächlich genutzt werden und was Menschen dazu bewegt, ihre Geräte im Sinne der Kreislaufwirtschaft reparieren zu lassen.

Um bessere Einblicke in die Praxis der Reparatur zu erhalten und herauszufinden, was Konsument:innen im Zusammenhang damit am meisten beschäftigt, haben wir gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent und der FH Wiener Neustadt/ Campus Wieselburg im Rahmen des Consumer Research Awards eine Umfrage durchgeführt. Der Hintergrund unserer „Smart Repair Decisions“ Umfrage ist, dass wir den Faktoren auf den Grund gehen wollten, die zur Entscheidung „Reparatur statt Neukauf“ motivieren und wie die optimale Preis- und Servicekonfiguration für Konsument:innen aussieht, um eine Reparaturoption als attraktiv zu empfinden.
Reparatur? Ja gerne, aber…
Unserer Marktumfrage können wir entnehmen, dass bereits ein Großteil (68 %) der Befragten Erfahrungen mit der Reparatur von Elektrogeräten gemacht haben. Demnach ist der Reparaturmarkt hier keine Nische, sondern eher Teil der gängigen Praxis. Die Hintergründe dafür, Produkte reparieren zu lassen reichen von ressourcenschonenden Überlegungen bis hin zu finanzieller Sinnhaftigkeit. So gibt knapp ein Drittel der Befragten an, Produkte zur Reparatur zu bringen, weil es ihnen wichtig ist, Dinge möglichst lange zu nutzen und Ressourcen so länger im Kreislauf zu behalten. Im Gegensatz dazu steht jedoch für knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer:innen die Kosteneffizienz bei der Reparaturentscheidung im Vordergrund - wenn es sich lohnt, lassen sie ihre Produkte reparieren, ansonsten empfinden sie einen Neukauf und Ersatz der Geräte als ansprechender. Demnach sind auch die Haupteinflussfaktoren bei der Entscheidung für oder gegen eine Reparatur meist eine Frage der Kosten. Für rund 80 % steht eine zu erwartende Kostenersparnis im Vergleich zu einem Neukauf ganz oben auf der Liste der relevanten Kriterien. Ähnlich wichtig ist der Zustand des Gerätes (72 %), im Zeitpunkt wo die Reparatur anfällt, sowie ob noch Garantie für das Produkt besteht (68 %). Außerdem ist der mit einem Reparaturprozess verbundene persönliche Aufwand für zwei Drittel ein relevanter Faktor in der Entscheidung. Hingegen spielt der emotionale Wert eines Produktes und die damit verbundenen Erinnerungen nur für rund 35 % der Umfrageteilnehmer:innen eine entscheidende Rolle. Am Schluss zählt in erster Linie: je höher der Anschaffungswert des Produktes ursprünglich war, desto eher wird es zur Reparatur gebracht. Liegt der Neupreis eines Gerätes unter 50 €, denken nur wenige (12 %) an eine Reparatur - bei Geräten mit einem Ursprungswert über 500 € steigt die Reparaturwahrscheinlichkeit auf stolze 80 %. Dabei gilt durchschnittlich ein Drittel des ursprünglichen Anschaffungspreises als Obergrenze für akzeptable Reparaturkosten. Auch der Preis für vorgelagerte Fehlerdiagnosen hat seine Grenzen. Im Schnitt wollen Verbraucher:innen dafür nicht mehr als 19,50 € zahlen. Besonders interessant ist hier auch, dass ältere Generationen häufiger eine kostenlose Diagnose erwarten. Ebenso relevant für Verbraucher:innen ist eine schnelle und unkomplizierte Abhandlung der Reparatur. Kurz gesagt: Kosten- und Zeiteffizienz steht bei Konsument:innen ganz oben in der Entscheidung für oder gegen eine Reparatur.

Zufriedenheit und Frustration hinter Reparaturprozessen
Um besser zu verstehen, wie Reparaturen zur ersten Wahl werden können und was den Reparaturprozess für Nutzer:innen attraktiver gestaltet, haben wir in unserer „Smart Repair Decisions“ Umfrage gezielt nach den Hindernissen und Frustrationen dahinter gefragt.
Vorab lässt sich erkennen, dass bereits ein Großteil der Befragten, mit rund 76 %, bereits eher zufrieden mit ihren bisherigen Reparaturerfahrungen sind. Nichtsdestotrotz geben viele Konsument:innen an, Verbesserungspotenziale von Reparaturprozessen zu sehen, primär im Bereich der Kostentransparenz. Das größte Ärgernis von Verbraucher:innen sind die Kosten bei der Fehlerdiagnose - fast jeder zweite empfindet diese als Frustpunkt. Dicht gefolgt, mit einer Zustimmung von ca. 38 % der Befragten, stehen die unklaren Erfolgsaussichten der Reparatur und die fehlende Transparenz bei den endgültigen Reparaturkosten auf der Ärgernisliste. Häufig scheitert die Reparatur jedoch bereits an der Suche nach einem zuverlässigen und kompetenten Reparaturservice. Das kostet oft Zeit und Nerven und stellt für ein Fünftel der Umfrageteilnehmer:innen ein echtes Hindernis dar. Generell, lässt sich sagen, dass Dinge öfter repariert werden würden, wenn der Prozess weniger aufwendig wäre. Rund 70 % sagen, sie würden viel öfter ihre Geräte reparieren lassen, wenn der Ablauf sich einfacher gestalten würde. Aktuell empfinden es viele als unkomplizierter, ein neues Gerät zu kaufen als ihrem alten ein zweites Leben im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu schenken.

Transparenz & Digitalisierung als Schlüssel zur Reparaturwende
Nachdem wir nun die Motivation und Hürden hinter Reparatur beleuchtet haben, wollen wir euch jetzt die Antworten auf die entscheidende Frage nicht vorenthalten: Was benötigen Konsument:innen, um sich für Reparaturangebote zu entscheiden und dadurch die Lebensdauer ihrer Geräte zu verlängern? Und welchen Beitrag können Unternehmen dazu leisten? Wenig überraschend nach den bisherigen Markteinblicken zeigen die Umfrageergebnisse klar und deutlich, dass transparente Informationen, die Planbarkeit und Vertrauen schaffen, entscheidend für die Wahl sind. Für den Großteil der Verbraucher:innen sind es folgende Kernfragen, die bei einem Reparaturangebot entscheidend sind:
Was kostet die Reparatur?
Wie lange wird es dauern?
Wie sinnvoll ist die Reparatur und lohnt sich das überhaupt für mich?
Mit einer Zustimmung von knapp 90 % der Befragten, sind sich fast alle einig, dass eine verlässliche Kostenschätzung der ausschlaggebendste Punkt bei der Angebotseinholung ist.

Neben dem Punkt der Angebotstransparenz, ist besonders der Blick Richtung Digitalisierungspotenziale für attraktive Reparaturprozesse spannend. So zeigt sich die Mehrheit der Umfrageteilnehmer:innen offen für digitale und KI-gestützte Lösungen. Knapp drei Viertel interessieren sich für KI-gestützte Angebote und knapp 60 % würden diese sogar nutzen. Eine umfassende KI-Anwendung würde weitreichende Implikationen für Reparaturservices und deren Attraktivität mit sich bringen. So könnte ein KI-System Transparenz, Schnelligkeit und Verlässlichkeit bei der Angebotserstellung liefern, welche die Verbraucher:innen bislang als nicht ideal empfinden. So lasse sich beispielsweise durch datenbasierte Analysen vergangener Reparaturen und typischer Schadensbilder eine präzise Kostenschätzung und realistische Zeitangabe bereits vorab erstellen. Gleichzeitig würde ein KI-gestütztes Reparatursystem eine rasche Angebotserstellung inklusive Diagnose, Ersatzteilverfügbarkeit und Einschätzung der Sinnhaftigkeit ermöglichen. So könnte man die Hindernisse, welche Konsument:innen bisher im Reparaturprozess ihrer Geräte angeben, überwinden. Kurz gesagt: Reparaturangebote müssen transparenter, schneller und verlässlicher ausgelegt werden, um Verbraucher:innen dazu zu motivieren, sich für eine Reparatur, anstatt einen Neukauf ihrer Produkte zu entscheiden. Datenbasierte KI- Systeme bieten hier großes Potential, diesen Prozess unkompliziert zu gestalten und damit die Lebensdauer von Elektronikgeräten wesentlich zu verlängern.

Unser Fazit: Reparatur als bedeutender Faktor zur Ressourcenschonung
Reparatur als Treiber der Kreislaufwirtschaft: Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Reparatur ein unverzichtbarer Hebel ist, um die Kreislaufwirtschaft weiter voranzutreiben und sicherzustellen, dass weniger Ressourcen frühzeitig in der Mülldeponie landen.
Obwohl dieses Kreislaufwirtschaftstool bereits etablierter Bestandteil in der Praxis ist, besteht ein Optimierungspotenzial der Rahmenbedingungen im Hinblick auf transparente und kostengünstige Reparaturoptionen, verlässlichen Service, einfache Abläufe und die Dauer der Reparatur.
Das Ziel muss sein, dass Konsument:innen bei der Entscheidung „Reparatur statt Neukauf“ nicht lange grübeln, sondern sich instinktiv für die zirkuläre Option entscheiden. Zu einem nachhaltigen Wandel beitragen können digitale Neuerungen wie beispielsweise die Integration von KI-gestützte Angebotssystemen der Hersteller aber auch gesetzliche Initiativen zur Förderung von Reparaturleistungen wie das EU-weite „Right to Repair“ und die nationale „Geräte-Retter-Prämie“.
Weiterführende Links zu Reparaturmöglichkeit in Wien und Österreich:
Geschrieben von Maria Leitl
Quellen
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, 2026: Geräte-Retter-Prämie (Link: Geräte-Retter-Prämie) Ellen MacArthur Foundation, 2024: The circular economy in detail (Link:
Europäisches Parlament, 2023: Kreislaufwirtschaft: Definition und Vorteile (Link: https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20151201STO05603/kreislaufwirtschaft-definition-und-vorteile)
Europäisches Parlament, 2024: Right to repair: Making repair easier and more appealing to consumers (Link: Right to repair: Making repair easier and more appealing to consumers | News | European Parliament)
Kirchherr, Julian; Reike, Denise; Hekkert, Marko (2017): Conceptualizing the circular economy: An analysis of 114 definitions. In: Resources, Conservation and Recycling 127, S. 221–232.



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