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Die CSRD: Corporate Sustainability Reporting Directive

Eine Verpflichtung, jedoch auch eine Chance - für Unternehmen und die Kreislaufwirtschaft

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Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Unternehmenspraxis. Wir möchen einen näheren Blick  auf die Richtlinie der EU werfen und darauf eingehen, welche Auswirkungen sie auf Unternehmen und zur allgemeinen Transformation in Richtung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft hat.


Was ist die CSRD?


Die CSRD ist eine Richtlinie der Europäischen Union. Eine Richtlinie ist ein Rechtsakt der EU, der von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden muss. In Österreich ist hier aktuell das Justizministerium mit der Vorbereitung beschäftigt (bis spätestens 6.7.2024 muss sie in nationalem Recht umgesetzt sein). Die CSRD ist Teil des europäischen Rechtsrahmens für die nachhaltige Unternehmensberichterstattung und baut auf der vorherigen Non-Financial Reporting Directive (NFRD) auf bzw. löst diese ab, sobald sie vollständig in Kraft getreten ist. Deutlich mehr Unternehmen sind von der CSRD betroffen als bisher von der NFRD (~50.000 statt ~11.700 Unternehmen in der EU). 


Die Richtlinie legt verbindliche Anforderungen an Unternehmen fest, um umfassendere und besser vergleichbare Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) zu veröffentlichen. Sie zielt darauf ab, die Transparenz und Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu verbessern und so einen Beitrag zu einer nachhaltigen Unternehmensführung und einer nachhaltigeren Wirtschaft insgesamt zu leisten. 


Die CSRD macht dies, vor allem durch den Aspekt der “double materiality”, sodass sich Unternehmen beidseitig mit ESG-Faktoren auseinandersetzen und dabei eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchführen müssen: 

  • Einerseits müssen sich Firmen mit ihrem Impact auf Mensch, Natur und Gesellschaft auseinandersetzen (Inside-Out)

  • Beispielsweise: Welche Emissionen, Ressourcen- und Energieverbrauch wird verursacht, welche Arbeitsbedingungen gelten, etc.)  

  • Andererseits müssen Unternehmen auch den Einfluss von ESG-Faktoren auf die finanzielle Lage des Unternehmens einschätzen, beurteilen und darüber berichten (Outside-In)

  • Beispielsweise: Welchen Einfluss haben Klimawandel, Biodiversitätskrise, Fachkräftemangel & Co auf mein Unternehmen? 


Wen betrifft die CSRD?


Durch die Ausweitung des Anwendungsbereichs im Vergleich zur NFRD wird eine größere Anzahl von Unternehmen erfasst, die nun umfassendere Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen müssen.


Die Anpassung durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) beinhaltet jedoch einige Verschärfungen. Unter diese Regelung fallen somit alle Unternehmen, die zwei der drei folgenden Punkte erfüllen:

  • Bilanzsumme über 20 Millionen Euro

  • Netto-Umsatz über 40 Millionen Euro

  • Über 250 Mitarbeiter:innen im Jahresdurchschnitt


Alle an der Börse gelisteten Unternehmen, ausgenommen Kleinstunternehmen. Als Kleinstunternehmen werden Unternehmen definiert, die mindestens zwei der drei Merkmale erfüllen:

  • Bilanzsumme maximal 350.000 Euro

  • Umsatz maximal 700.000 Euro

  • Maximal 10 Mitarbeiter:innen im Jahresdurchschnitt


Zusätzlich sind Non-EU-Unternehmen betroffen, die einen Nettoumsatz von mehr als 150 Mio. EUR erzielen und eine Tochtergesellschaft in der EU haben, die die für EU-Unternehmen geltenden Kriterien erfüllt, oder eine Zweigniederlassung in der EU, die einen Nettoumsatz von mehr als 40 Mio. EUR erzielt.


Einfluss auf die Kreislaufwirtschaft


Die CSRD beeinflusst die Transformation zu einer zirkulären Wirtschaft, indem sie Unternehmen direkt und indirekt dazu drängen wird, ihre Produktions-, Geschäfts- und Konsummodelle zu überdenken. Eine der Schlüsselkomponenten der CSRD ist die detaillierte Berichterstattung über den gesamten Lebenszyklus von Produkten. Unternehmen müssen nicht nur über ihre direkten Umweltauswirkungen berichten, sondern auch über die Auswirkungen ihrer Produkte von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung über die gesamte Value-Chain.


Dieser Fokus auf den kompletten Lebenszyklus wird dazu führen, dass Unternehmen vermehrt Prinzipien der Kreislaufwirtschaft berücksichtigen. Unterstützt durch weitere Initiativen, Richtlinien und Verordnungen der EU (Right to Repair, Green Claims Directive, Empowering the Consumer Directive, Deforestation Regulation Directive etc.) werden Unternehmen vermehrt darauf abzielen, Produkte so zu gestalten, dass sie länger genutzt werden können, dass die verwendeten Materialien länger im Kreislauf geführt werden können und dass weniger Abfall entsteht. 


Unternehmen, die sich aktiv an der Kreislaufwirtschaft beteiligen, können nicht nur ihre Umweltauswirkungen reduzieren, sondern auch ihre Kosten senken, ihre Resilienz gegenüber globalen Herausforderungen stärken bzw. neue Kund:innen–Segmente dazu gewinnen.


Folgend eine Auflistung von Faktoren, wodurch die CSRD direkt zu Verbesserungen von nachhaltigen Aspekten in der Wirtschaft führen wird:

  • Ausführliche Darstellung von Environment, Social und Governance Faktoren

  • Umfassende Sichtweise von Nachhaltigkeit, wodurch ein breiteres Bewusstsein und Verständnis in den Unternehmen bzw. außerhalb  für die Themen entsteht

  • Transparenz über die gesamte Value Chain

  • Unternehmen stehen in der Verantwortung deutlich über Scope 1 hinaus, auch Down- und Upstream der gesamten Wertschöpfungskette, ihren Impact  zu betrachten, zu evaluieren und zu berichten. 

  • Steigerung der Nachhaltigkeit und Resilienz im Unternehmen durch die Beschäftigung mit Outside-In Problemen

  • Verstärkte Ausrichtung auf nachhaltige Geschäftsmodelle durch das Bewusstsein des finanziellen Einflusses von Problemen wie Ressourcenknappheit, Klimawandel, Biodiversitätsverlust & Co auf das eigene Geschäftsmodell

  • Förderung von Innovation und R&D

  • Anreize für Unternehmen, nachhaltige Praktiken (falls notwendig zuerst) zu entwickeln und dann skalierbar und leistbar zu machen. 


Hinzu kommen indirekte Effekte, die durch die neu verfügbare, breitflächige Transparenz der Unternehmen verstärkt werden:


  • Medienaufmerksamkeit und öffentliche Wahrnehmung

  • Eine erhöhte Wahrnehmung des Themas kann Unternehmen dazu anspornen, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu verstärken, da die mediale und öffentliche Wahrnehmung einen erheblichen Einfluss auf den Markenwert und die Kundenbindung hat.

  • Investment-Interesse

  • Durch die entstandene Transparenz bekommen Anleger:innen, institutionell wie privat, einen besseren Einblick zur Resilienz des Unternehmens zu den bestehenden Herausforderungen wie Klimawandel, Fachkräftemangel, etc. und treffen demnach Investitionsentscheidungen

  • Veränderung der Verbraucher:innen-Erwartungen

  • Unternehmen, die sich aktiv für zirkuläre Prinzipien einsetzen, werden einen Wettbewerbsvorteil erlangen, da Verbraucher:innen zunehmend nach leistbaren, nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen suchen. 


Diese Faktoren verdeutlichen, dass die Auswirkungen weit über die regulatorische Compliance hinausgehen wird und dementsprechend einen umfassenden, positiven Einfluss auf die Wirtschaft und Gesellschaft sowie auch die Transformation zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft haben wird.


Um den Rahmenbedingungen der CSRD zu entsprechen, müssen Unternehmen einige Hürden angehen, diese sind in den European Sustainability Reporting Standards festgehalten, definiert und erklärt. Auf diese werden wir in einem zukünftigen Blog-Post eingehen. 


Wenn Sie Fragen, allgemein zur CSRD, bzw. dem Double-Materiality-Assessment haben, zögern Sie nicht, zu kontaktieren. Unsere Expert:innen Alexandra Kick und Benjamin Frahndl führen gerne ein unverbindliches Erstgespräch und stehen Ihnen zur Seite, sodass Ihr Unternehmen gut auf die neue Regulierung vorbereitet ist und diese kompetent durchführen kann. 


Kontaktieren sie uns gerne unter: office@thinkubator.earth 


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